02.09.2010
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schulhausroman hamburg - jeder kann schreiben

Offizielles Projektfoto von ANSTIFTEN! der Körber Stiftung, Foto: Isadora Tast
Offizielles Projektfoto von ANSTIFTEN! der Körber Stiftung, Foto: Isadora Tast

Eine „Insel im Fluss“ soll sie sein, die Elbinsel Wilhelmsburg, der Multikulti-Stadtteil im Süden Hamburgs dem die Stadteilentwickler eine rosige Zukunft versprechen. Aber interessiert das die Jugendlichen vor Ort? Was dürfen sie hoffen und was macht ihnen Angst? Keiner weiß das besser als die Jugendlichen selbst, aber dafür eine Sprache zu finden, es sogar aufzuschreiben, ist für viele von ihnen keine Kleinigkeit, gerade, wenn Deutsch nicht ihre Muttersprache ist.

Doch genau darum wird es gehen, wenn in diesem Frühjahr an der Gesamtschule Wilhelmsburg der 1. Hamburger Schulhausroman entsteht. Schreibtrainer ist der Schweizer Autor Richard Reich, der das Projekt 2004 in Zürich ins Leben gerufen hat. Seitdem sind über 50 Schulhausromane, überwiegend in der Schweiz und seit 2009 auch in Österreich, entstanden.

Reich weiß, dass korrekte Orthografie und Grammatik kein Garant für eine gelungene Geschichte sind: „Immer wieder produzieren Jugendliche, die nach schulischen Kriterien sprachlich zu den Schwächsten ihres Jahrgangs gehören, treffende und fantasievolle Texte, mitunter lassen sie gar poetische Kometen aufsteigen, die mich begeistern.“ Und gerade an sie richtet sich das Angebot, dass etliche erwünschte Nebenwirkungen hat: „Schwierige Themen“ wie Sexualität oder Gewalt können über die Kunstform des Romans leichter ausgesprochen werden – und die Autoren können in ihrer Rolle anders reagieren als die Lehrer. Für etliche der Jugendlichen ist die Teilnahme am Schulhausroman die erste positive Erfahrung mit Sprache überhaupt.

Im Herbst werden dann in Hamburg vier weitere prominente Autoren (mit dabei u.a. Laura de Weck und Finn Ole Heinrich) den Jugendlichen helfen ihren Alltag in Literatur, ja, in einen Roman zu verwandeln. Dazu besuchen die Autoren die Schüler über einen längeren Zeitraum hinweg in ihren Schulklassen, unterstützen sie beim Erfinden einer Geschichte und helfen ihnen das Werk zu einem Ganzen zu verbinden. Den Weg dorthin kann man als „work in progress“ im Internet verfolgen, der fertige Roman wird gedruckt und schließlich von den Schülern und Schülerinnen auf der Bühne des Literaturhauses präsentiert.

Das Projekt richtet sich an Haupt-, Real- und Gesamtschüler im Alter von 12 bis 17 Jahren. Lehrer, die im Herbst 2010 gerne mit ihrer Klasse teilnehmen möchten, wenden sich bitte an  Isabell Köster: ikoester@literaturhaus-hamburg.de

 


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