Do 16.6.05
20.00 Uhr
Ort: Literaturhaus, Schwanenwik 38, 22087 Hamburg
Christoph Bantzer: Christoph Bantzer
6,50/4,-/3,-

Eduard von Keyserling

Wetterleuchten am Rande: Eduard von Keyserlings 150. Geburtstag. Ulla Hahn und Rainer Moritz stellen den Dichter vor, Christoph Bantzer liest

„Keyserlings Sommernächte sind wie Feuer der Imagination, an denen sich die Leser in dürren, kalten Zeiten wärmen können.“ Martin Mosebach

Lange Zeit war der Erzähler Eduard von Keyserling (1855-1918) in die Fußnoten der Literaturgeschichten abgesunken. Erst die Neuauflage seines Romans „Wellen“ führte vor ein paar Jahren zu einer Renaissance, die deutlich machte, welchen großartigen Schriftsteller man da leichtfertig übersehen hatte. Am 18. Mai 1855 im heute lettischen Kurland geboren, debütierte Keyserling mit Dramen und Romanen (wie „Die dritte Stiege“), die naturalistischen Strömungen nahe standen. 1903 erschien mit „Beate und Mareile“ die erste seiner „Schlossgeschichten“, jene schmalen Novellen und Romane, die den baltischen Erzähler auf der Höhe seines Könnens zeigten. Keyserlings impressionistisch nuancierte Geschichten spielen in versunkener Welt, dort, wo die rohen Mächte des 20. Jahrhunderts bereits zu wirken begonnen haben und der Adel vergeblich versucht, „Tenue“ zu bewahren und sein Ordnungssystem durchzuhalten. Die „große“ Politik dringt, so scheint es auf den ersten Blick, kaum in die Welt der Keyserling’schen Güter und Parks ein … und ist doch immer als „Wetterleuchten am Rande“ (Peter Härtling) spürbar. Allenthalben, in „Abendliche Häuser“, „Am Südhang“, „Schwüle Tage“ oder „Wellen“, ist der nahende Untergang nicht nur zwischen den Zeilen wahrzunehmen; Keyserlings Figuren kämpfen mit Standesgesetzen, mit erotischen Mächten, denen sie nicht gewachsen sind, und mit der Müdigkeit eines Fin de siècle, das unaufhaltsam auf den Krieg zusteuert. Der in seinem letzten Lebensjahrzehnt erblindete Keyserling bildet gleichsam das Scharnier zwischen den Gesellschaftsromanen Theodor Fontanes und Thomas Manns. Ihn (wieder) zu lesen lohnt mehr denn je.

6,50/4,-/3,-

„Keyserlings Sommernächte sind wie Feuer der Imagination, an denen sich die Leser in dürren, kalten Zeiten wärmen können.“ Martin Mosebach

Lange Zeit war der Erzähler Eduard von Keyserling (1855-1918) in die Fußnoten der Literaturgeschichten abgesunken. Erst die Neuauflage seines Romans „Wellen“ führte vor ein paar Jahren zu einer Renaissance, die deutlich machte, welchen großartigen Schriftsteller man da leichtfertig übersehen hatte. Am 18. Mai 1855 im heute lettischen Kurland geboren, debütierte Keyserling mit Dramen und Romanen (wie „Die dritte Stiege“), die naturalistischen Strömungen nahe standen. 1903 erschien mit „Beate und Mareile“ die erste seiner „Schlossgeschichten“, jene schmalen Novellen und Romane, die den baltischen Erzähler auf der Höhe seines Könnens zeigten. Keyserlings impressionistisch nuancierte Geschichten spielen in versunkener Welt, dort, wo die rohen Mächte des 20. Jahrhunderts bereits zu wirken begonnen haben und der Adel vergeblich versucht, „Tenue“ zu bewahren und sein Ordnungssystem durchzuhalten. Die „große“ Politik dringt, so scheint es auf den ersten Blick, kaum in die Welt der Keyserling’schen Güter und Parks ein … und ist doch immer als „Wetterleuchten am Rande“ (Peter Härtling) spürbar. Allenthalben, in „Abendliche Häuser“, „Am Südhang“, „Schwüle Tage“ oder „Wellen“, ist der nahende Untergang nicht nur zwischen den Zeilen wahrzunehmen; Keyserlings Figuren kämpfen mit Standesgesetzen, mit erotischen Mächten, denen sie nicht gewachsen sind, und mit der Müdigkeit eines Fin de siècle, das unaufhaltsam auf den Krieg zusteuert. Der in seinem letzten Lebensjahrzehnt erblindete Keyserling bildet gleichsam das Scharnier zwischen den Gesellschaftsromanen Theodor Fontanes und Thomas Manns. Ihn (wieder) zu lesen lohnt mehr denn je.