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09.12.

Weihnachtstipps vom Philosophischen Café

Barbara Bleisch, Wolfram Eilenberger und Konrad Paul Liessmann blicken auf das philosophische Bücherjahr zurück und geben Ihnen Lektüreempfehlungen für den langen Winter.

Barbara Bleisch empfiehlt:

  • John Muir: »Yosemite«, Matthes & Seitz Berlin, € 25,–
  • Roberto Simanowski: » Das Virus und das Digitale«, Passagen Wien, € 17,40

Über »Yosemite«: »Die von Judith Schalansky kuratierte ›Naturkunden‹-Reihe im Matthes & Seitz Verlag steht für hohe Qualität: Jeder Band ist haptisch und optisch ein Meisterwerk. Schalansky eröffnet mit dieser Reihe der deutschsprachigen Leserschaft seit vielen Jahren die Entdeckung der englischsprachigen Tradition des ›nature writing‹. Dieser klassische Text des amerikanischen Naturschützers John Muir ist ergänzt und um eine aufrüttelnde Einleitung des kenianischen Ökologen Mordecai Ogada. Eine wahre Entdeckung.«

Über »Das Virus und das Digitale«: »Der Medienwissenschaftler Robert Simanowski analysiert den digitalen Umbruch, den wir während der Pandemie in Echtzeit erleben: Zoom-Meetings, Online-Unterricht, Corona-Apps und Fitnesstraining via Tutorials sind mittlerweile Teil unseres Alltags. Was dürfen wir als Errungenschaften bezeichnen, wogegen sollten wir uns zur Wehr setzen? Simanowski öffnet mit seinen Essays Denkräume, um die Gegenwart neu zu sehen.«

Wolfram Eilenberger empfiehlt:

  • Philipp Sarasin, »1977 – Eine kurze Geschichte der Gegenwart«, Suhrkamp, € 32,­–
  •  Donatella di Cesare: »Philosophie der Migration«, Matthes & Seitz Berlin, € 26,–

Über »1977 – Eine kurze Geschichte der Gegenwart«: »Kunstvoll und detailreich legt der Historiker das Jahr 1977 als Schaltpunkt in ein neues Weltverhältnis dar – vom Ende sozialistischen Revolutionsglaubens bis zur Geburt des PC.«

Über »Philosophie der Migration«: »Mit beispielhafter Radikalität legt di Cesare die tödlichen Verwerfungen und mannigfachen Widersprüche einer Welt von sich zunehmend abschottenden Nationalstaaten frei. Migration als philosophisches Problem ernst zu nehmen bedeutet nicht weniger als eine Revolution unseres derzeitigen In-der-Welt-Seins.«

Konrad Paul Liessmann empfiehlt:

  • Rudolf Burger: »Über Gott und die Welt und die Liebe. Gespräche und Interviews« Herausgegeben von Bernhard Kraller. Sonderzahl-Verlag, € 35,–
  • Herfried Münkler: »Marx, Wagner, Nietzsche: Welt im Umbruch«, Rowohlt, € 34,–

Über »Über Gott und die Welt und die Liebe«: »Am 19. April 2021 starb der österreichische Philosoph Rudolf Burger. Er hinterließ kein akademisches systematisches Werk, seine Stärke war die knappe, luzide, provozierende intellektuelle Intervention. Die in dem nun posthum erschienenen Band versammelten Gespräche zeigen Rudolf Burger als kritischen Beobachter, der im Sinne Hegels versucht, seine Zeit in Gedanken zu erfassen. Solche in einer Dialogsituation entfalteten Reflexionen haben etwas Verblüffendes, ja Verstörendes an sich, sie sind produktiv gerade dann, wenn man widersprechen möchte. Und sie bestechen durch präzise Formulierungen, die im wahrsten Sinn des Wortes Phänomene unseres sozialen und politischen Lebens auf den Punkt bringen.«

Über »Marx, Wagner, Nietzsche«: »Die Idee ist so naheliegend, und doch muss man erst einmal auf sie kommen: Drei zentrale Figuren des 19. Jahrhunderts, die nicht nur das Denken und Fühlen ihrer Zeit bestimmt haben, zusammenzuführen und zu untersuchen, was sie verbindet, was sie trennt, wo sich ihre Wege kreuzen und inwiefern wir noch immer von diesen eminenten und umstrittenen Protagonisten der europäischen Moderne zehren. Münkler gelingt es nicht nur, bislang wenig oder gar nicht beachtete Verbindungslinien zwischen dem großen Gesellschaftstheoretiker Karl Marx, dem verhängnisvollen Zukunftsmusiker Richard Wagner und dem scharfen Moralkritiker Friedrich Nietzsche zu ziehen, sondern er entwirft damit ein faszinierendes geistiges Panorama, das hilft, die Grundlagen und Widersprüche unseres Gesellschaft besser zu verstehen.«

Das nächste Philosophische Café wird am 26.1. stattfinden. Zu Gast ist Sebastian Rödl.

Titelliste (PDF)

07.12.

Mara-Cassens-Preis 2021 für Stefanie vor Schulte

Stefanie vor Schulte erhält für ihren Debütroman »Junge mit schwarzem Hahn« den Mara-Cassens-Preis 2021

Der Mara-Cassens-Preis ist seit langem der höchstdotierte Preis für einen deutschsprachigen Debütroman. Seit 2020 ist der Preis mit 20.000 Euro dotiert. Im Gedenken an die 2015 verstorbene Förderin Mara Cassens soll der Preis Autorinnen und Autoren eine Chance bieten, sich nach dem ersten Roman für eine gewisse Zeit ganz dem Schreiben zu widmen. Preisträgerinnen und -träger der letzten Jahre sind Ronya Othmann (2020), Emanuel Maeß (2019) und Anja Kampmann (2018). Der Mara-Cassens-Preis wird als einziger Preis deutschlandweit von einer ehrenamtlichen Leserjury vergeben. 15 Mitglieder des Literaturhaus-Vereins lasen in ihrer Freizeit die 65 eingereichten Debütromane. Nach der Vorauswahl der Jury standen 11 Titel bei der finalen Sitzung zur Diskussion.

In der der Jurybegründung heißt es: »Mit einer klaren und bildhaften Sprache, schafft es die Autorin, Vergangenheit und Gegenwart in einem zu bündeln, ohne sich in tagespolitische Aussagen zu verlieren. In einem Changieren zwischen Fiktion und Wirklichkeit lässt vor Schulte durch die Hinzunahme surrealer Elemente die Geschichte zu einem märchenhaften bis dystopischen Roman heranwachsen. Mit einem großen Bewusstsein für Sprache werden grausame sowie zärtliche Erlebnisse der Roman-Figuren beschrieben, die die Leserinnen und Leser sowohl bestürzen als auch beglücken. Durch geschickte Brechungen holt vor Schulte die Leser aus dem blanken Entsetzen wieder in die Gegenwart und zieht die Leser so in ihren Bann. ›Junge mit schwarzem Hahn‹ ist eine faszinierende, mitreißende Geschichte, die voller poetischer Kraft steckt und mittels einer auf das Wesentliche reduzierten Sprache Bilder erzeugt, die das Buch zum besten Romandebüt des Jahres machen.«

Stefanie vor Schulte, 1974 in Hannover geboren, ist studierte Bühnen- und Kostümbildnerin. Sie lebt mit ihrem Mann und vier Kindern in Marburg.

Die Verleihung des Mara-Cassens-Preises wird am 12. Januar 2022 im Literaturhaus stattfinden. Ein Livestream wird ebenfalls angeboten. Stefanie vor Schulte liest aus ihrem Roman; Dr. Rose-Maria Gropp wird die Laudatio halten, Dr. Carsten Brosda – Präses der Behörde für Kultur und Medien – spricht ein Grußwort.

15.11.

Hamburger Literaturpreise 2021

Die Kulturbehörde vergibt Preise in sieben Kategorien an elf Preisträgerinnen und Preisträger

Die Behörde für Kultur und Medien zeichnet sechs Autorinnen und Autoren, drei Übersetzerinnen und Übersetzer und eine Comiczeichnerin für ihre herausragenden literarischen Arbeiten aus. 

Die mit je 6.000 Euro dotierten Hamburger Literaturpreise erhalten in der Kategorie:

  • ​Buch des Jahres: Andreas Moster für »Kleine Paläste« (Arche)
  • Roman: Kristine Bilkau für »Nebenan« und Jan-Dirk Krohn für »No Meds in May«
  • Erzählung: Sonja Roczek für »Barolo«
  • Lyrik/Drama/Experimentelles: Nail Doğan für »Leerlauf – Gedichte« und Jenny Schäfer für »Ein halbes Jahr Arbeit«
  • Kinder- und Jugendbuch: Jutta Nymphius für »Total irre!«
  • Comic: Helena Baumeister für »okcupid4«.

Die mit jeweils 3.000 Euro dotierten Preise in der Kategorie Literarische Übersetzungen gehen an:

  • Brigitte Große für den Roman »Großer Bruder, kleine Schwester / Em« von Kim Thúy aus dem Französischen (Kunstmann)
  • Markus Lemke für den Roman »Leute wie wir / Anashim kamonu« von Noa Yedlin aus dem Hebräischen (Kein&Aber)
  • Maralde Meyer-Minnemann für den Roman »Bis die Steine leichter sind als Wasser / Até que as pedras se tornem mais leves que a água« von António Lobo Antunes aus dem Portugiesischen (Luchterhand)

Die Jury, bestehend aus der Übersetzerin Ursel Allenstein (Preisträgerin 2020), dem Literaturkritiker Jan Ehlert (NDR Kultur), dem Verleger Jan Karsten (CulturBooks), der Lektorin Clara Sondermann und der Autorin Magdalena Saiger (Preisträgerin 2020), hat ihre Wahl aus 253 anonymisierten Einsendungen für Literatur, 20 Comic-Projekten und 11 literarischen Übersetzungen getroffen.

Die Preisverleihung findet am Montag, 6. Dezember um 19.00 Uhr im Literaturhaus Hamburg statt.