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03.12.

Mara-Cassens-Preis 2019 für Emanuel Maeß

Emanuel Maeß © Anno Dittmer
Emanuel Maeß © Anno Dittmer

Emanuel Maeß erhält für sein Debüt »Gelenke des Lichts« den »Mara-Cassens-Preis für den ersten Roman« 2019

Für seinen Roman »Gelenke des Lichts«, im Frühjahr 2019 bei Wallstein erschienen, wird Emanuel Maeß mit dem Mara-Cassens-Preis des Literaturhauses Hamburg ausgezeichnet. 

Mit 15.000 Euro ist dies der höchstdotierte Preis für einen deutschsprachigen Debütroman, als einziger deutschlandweit wird er von einer ehrenamtlichen Leserjury vergeben. Der nach seiner 2015 verstorbenen Förderin Mara Cassens benannte Preis hat es bereits zahlreichen Autorinnen und Autoren ermöglicht, sich nach ihrem Romanerstling weiterhin voll und ganz dem Schreiben zu widmen. Die Mara und Holger Cassens Stiftung stiftet den Preis im Gedenken an Mara Cassens und ihren Einsatz für die Literatur weiterhin jährlich. Preisträgerinnen der letzten Jahre sind Katharina Winkler (2016), Sasha Marianna Salzmann (2017) und Anja Kampmann (2018). 

15 Mitglieder des Literaturhaus-Vereins bildeten die Jury, die alle 62 eingereichten im Jahr 2019 erschienenen Debütromane prüfte. 11 Titel standen in der finalen Auswahlrunde zur Abstimmung. Unter den Favoriten waren Helene Bukowski mit »Milchzähne«, Kenah Cusanit mit »Babel« und Karen Köhler mit »Miroloi«.

Die Jury des Mara-Cassens-Preises entschied sich für »Gelenke des Lichts« von Emanuel Maeß als besten deutschsprachigen Debütroman 2019, weil es ein in hohem Maße außergewöhnliches und mutiges Buch ist, das deutlich das, was in der politischen und gesellschaftlichen Debatte nur kurzfristig aktuell ist, zugunsten überzeitlicher Fragestellungen außer Acht lässt und auch sprachlich aus den Einreichungen deutlich hervorsticht.

Ein elfjähriger Pfarrers- und Ärztinnensohn entdeckt bei einem Neptunfest am Ostseestrand auf Usedom 1989 ein Mädchen. Diese Begegnung lässt ihn nicht mehr los, auch nicht als er aus der ostdeutschen Provinz zum Studium nach Heidelberg, schließlich nach Cambridge und Soglio geht. Die unerfüllte Liebe zu Angelika – im Roman direkt mit »Du« adressiert – ist dem Ich-Erzähler immer wieder Antrieb zu jeweils neuer Sinnsuche. Nicht handlungsgetrieben, sondern mit präzisen Milieu-, Natur-, und Menschenbeschreibungen und subtilem Humor entwirft Emanuel Maeß einen Entwicklungsroman, der 1989 in der DDR beginnt. »Wende« und »Wiedervereinigung« sind hier mit ganz persönlichen Erlebnissen und Empfindungen verknüpft und weisen über die konkrete Zeitgeschichte hinaus. 

Aus der Jurybegründung: »Der Roman ›Gelenke des Lichts‹ ist auf faszinierende Weise ›aus der Zeit gefallen‹ – ohne dabei weltfremd zu sein. So scheut sich Emanuel Maeß nicht, existentielle philosophisch-theologische Grundfragen zu stellen, die an die Herkunft aus dem protestantischen Pfarrhaus anknüpfen, diese infrage stellen beziehungsweise eigenwillig neu formulieren. Seine Sprache ist von einem Welterleben tiefer Innerlichkeit geprägt, bei aller Dichte kommt sie leicht und elegant daher. Sie kann sich ihrem Gegenstand im Sinne romantischer Verzauberung annähern und sich zugleich ironisch distanzieren. Seine Sprachgewalt und Sprachverliebtheit zeigt sich etwa in einem Metaphernreichtum von der ersten bis zur letzten Seite. Das Buch will langsam und mehrmals gelesen werden und es klingt eindrücklich nach.«

Emanuel Maeß, 1977 in Jena geboren, studierte Politologie und Literaturwissenschaft in Heidelberg, Wien und Oxford. »Gelenke des Lichts« war nominiert für den Franz-Tumler-Literaturpreis und stand auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2019. 

Die feierliche Verleihung des Mara-Cassens-Preises findet am Dienstag, 7. Januar 2020, im Literaturhaus Hamburg statt. Holger Cassens wird die Mara und Holger Cassens Stiftung vertreten und Emanuel Maeß aus seinem Roman lesen. Die Laudatio hält Wiebke Hüster. Der Senator für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg Dr. Carsten Brosda spricht ein Grußwort.

Die Preisverleihung am 7. Januar 2020 um 19.30 Uhr im Eddy-Lübbert-Saal ist bereits ausgebucht.

22.11.

Hamburger Literaturpreise 2019

Die Gewinner der Hamburger Literaturpreise 2019 stehen fest. Saša Stanišićs »Herkunft« ist Hamburger »Buch des Jahres« 2019. Am 2. Dezember werden die Literaturpreise in sieben Kategorien an elf Preisträgerinnen und Preisträger verliehen.

Stanišić ist der erste Träger des neu geschaffenen Preises, mit dem die Behörde für Kultur und Medien herausragende literarische Arbeiten auszeichnet. Insgesamt vergibt die Behörde für Kultur und Medien elf Preise nach dem Votum einer unabhängigen Jury. 2019 hat der Wettbewerb um die Hamburger Literaturpreise eine Frischzellenkur erfahren: Vom Namen über das Verfahren bis hin zur Verleihung ist alles neu. Die Preise wurden neu strukturiert und damit das Förderprogramm verbessert. Die Preise in den Kategorien »Buch des Jahres«, Kinder- und Jugendliteratur sowie eine Auszeichnung für Comics wurden neu geschaffen und zum ersten Mal verliehen. Außerdem werden Werke in den Kategorien Roman, Erzählung, Lyrik/Drama/Experimentelles sowie Literaturübersetzungen ausgezeichnet. Die Literaturpreise sind mit je 6.000 Euro dotiert, die Preise für literarische Übersetzungen mit je 3.000 Euro. 

Die mit je 6.000 Euro dotierten Hamburger Literaturpreise erhalten in der Kategorie:

  • »Buch des Jahres«: Saša Stanišić für »Herkunft«
  • Roman: Tamar Baumgarten-Noort für »Ans Licht«; Katrin Seddig für »Eine deutsche Familie« 
  • Erzählung: Sven Lenz für »Nebenrolle«; Julia Ditschke für »Mutter. Zwölf Versuche«
  •  Lyrik/Drama/Experimentelles: Ulrike Syha für das Theaterstück »Der öffentliche Raum« 
  • Kinder- und Jugendbuch: Cornelia Franz für »Calypsos Irrfahrt«
  • Comic: Karina Tungari für »Ahh … Das Gras auf der anderen Seite ist nicht immer grüner«

Die mit jeweils 3.000 Euro dotierten Preise in der Kategorie Literarische Übersetzungen gehen an:

  • Dagmar Mißfeldt für die Übersetzung des Romans »Beinahe Herbst/Nærmere høst« von Marianne Taurin aus dem Norwegischen
  • Britt Somann-Jung für die Übersetzung des Romans »In guten wie in schlechten Tagen/An American Marriage« von Tayari Jones aus dem amerikanischen Englisch
  • Claudia Steinitz für die Übersetzung des Romans »Querwege/La traversière« von Albertine Sarrazin aus dem Französischen

Die Jury, bestehend aus John Cohen (cohen+dobernigg Buchhandel), Judith Liere (Literaturredakteurin beim »stern«), Daniel Mellem (Preisträger 2018), Stefan Pluschkat (Übersetzungspreisträger 2018) und Judith Weber (Lektorin Mare Verlag), hat ihre Wahl aus 275 anonymisierten Einsendungen für Literatur, 43 Comic-Projekten und 19 literarischen Übersetzungen getroffen. 

Für die Preisverleihung am 2. Dezember sind leider keine Anmeldungen mehr möglich, die Veranstaltung ist bereits ausgebucht. 

16.11.

Preis für den »Schulhausroman«

Wir freuen uns sehr, dass der »Schulhausroman« mit dem Kinder- und Jugendkulturpreis 2019 der Stiftung Maritim Hermann und Milena Ebel ausgezeichnet wird! 

Die Stiftung vergibt in Kooperation mit der Behörde für Kultur und Medien im November 2019 erstmals den mit insgesamt 12.000 Euro dotierten »KIJU-Preis«. Mit dem Kinder- und Jugendkulturpreis sollen jedes Jahr drei bereits realisierte Projekte mit jeweils 4.000 Euro für wertvolle und nachhaltige Kultur- und Bildungsprojekte mit Kindern und Jugendlichen gefördert werden. 

Unter dem Motto »Kultur bewegt« wird beim »KIJU-Preis« jedes Jahr ein anderes kulturelles Genre im Mittelpunkt stehen. Zum Start heißt es in diesem Jahr – passend zum 100. Geburtstag der Stiftung Hamburger öffentlichen Bücherhallen – »Literatur bewegt«.

Selbst schreiben bewegt! Die grundlegende Idee des »Schulhausromans« ist, dass jeder und jede schreiben kann. Ein Autor oder eine Autorin besucht regelmäßig über mehrere Monate eine Stadtteilschulklasse und unterstützt sie beim Schreiben eines eigenen Romans. Schreiben ist hier ein künstlerischer Akt. Es geht nicht um orthografisch korrekte Höchstleistungen, sondern darum, eine gute Geschichte zu erzählen.

Die geförderten Projekte wurden von einer Fachjury ausgewählt und werden am 19. November 2019 auf Kampnagel von Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, ausgezeichnet: »Der ›KIJU-Preis‹ ist eine hervorragende Stärkung der so wichtigen Kinder- und Jugendkultur. Die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur eröffnet Kindern und Jugendlichen neue Welten und Perspektiven und fördert unverzichtbare Schlüsselkompetenzen wie Kreativität und Kommunikationsfähigkeit«, so Brosda.