Laudatio auf Sasha Marianna Salzmann

von Christoph Schröder zum Mara-Cassens-Preis 2017

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
liebe Sasha Marianna Salzmann,

»Ich war noch nie irgendwo zuhause.« Diesen Satz sagte Sasha Marianna Salzmann zu mir, als ich sie im August des vergangenen Jahres in Berlin zu einem Interview traf. Es ist ein Satz, der die meisten von uns möglicherweise erschreckt. Wir, die wir in einem mehr oder weniger beruhigenden Gefühl leben, dass unser Zuhause uns so etwas wie Sicherheit und Geborgenheit geben kann, können uns nur schwer vorstellen, dass jemand in der völligen Abwesenheit dieses Gefühls lebt.

Es gibt sehr viele Wege, sich Sasha Marianna Salzmanns Debütroman zu nähern. Er lässt sich umkreisen, beschreiben in theoretischen Diskursen. Doch ich glaube, dass die Frage nach einem Zuhause und die Tatsache, dass das Zuhause in diesem Buch so auffällig abwesend ist, sich nicht nur im Inhalt niederschlägt, sondern auch in der Struktur des Romans abgebildet wird. Zunächst aber können wir danach fragen, und auch dazu eignet sich »Außer sich« ganz ausgezeichnet, welche Erwartungen wir an Literatur stellen und stellen dürfen und inwieweit die Literatur das Recht hat, sich diesen Erwartungen zu widersetzen, um dann auf ganz überraschende Weise andere Erwartungen zu erfüllen. Also: »Außer sich«, und das ist ein Einwand, den ich hin und wieder gehört habe, wenn ich anderen mit Begeisterung davon erzählt habe, ist ein Roman, in den die dringlichen und auch relevanten Diskurse der Gegenwart Eingang gefunden haben: Migration, nationale versus individuelle Positionierung, Zugehörigkeitsfragen, Genderfragen. Und noch dazu die jüngsten Ereignisse in der Türkei, die Demonstrationen im Gezi-Park, der gescheiterte Putschversuch. Den Einwand, dies sei ein Roman, der quasi kalkuliert an der Aktualität und ihren Modethemen entlang geschrieben worden sei, höre ich ausschließlich von Menschen, die das Buch nicht gelesen haben. Wer »Außer sich« wirklich gelesen hat, wird nicht auf die Idee kommen, einen derartig albernen Verdacht zu äußern ...

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