Hamburger Erklärung der Vielen

Das Literaturhaus gehört zu den Erstunterzeichnenden der Hamburger Erklärung der Vielen. »Das Literaturhaus Hamburg hat die Erklärung der Vielen unterzeichnet, weil wir die Offenheit der Kunst aufrechterhalten wollen, um eine offene Gesellschaft zu sichern. Literatur ist die Kunst des Wortes und sie ermöglicht es, Debatten anzustoßen, kritisches Denken zu fördern und sensibel die Welt wahrzunehmen.« (Leiter Prof. Dr. Rainer Moritz)

Kunst schafft einen Raum zur Veränderung der Welt

In Deutschland stehen wir nicht über den Dingen, sondern auf einem Boden, von dem aus die größten Staatsverbrechen der Menschheitsgeschichte begangen wurden. In diesem Land wurde schon einmal Kunst als entartet diffamiert und Kultur flächendeckend zu Propagandazwecken missbraucht. Millionen Menschen wurden ermordet oder gingen ins Exil, unter ihnen auch viele Kunstschaffende. Als Kulturschaffende in Deutschland tragen wir deshalb eine besondere Verantwortung.

Heute begreifen wir die Kunst- und Kultureinrichtungen als offene Räume, die Vielen gehören. Unsere Gesellschaft ist eine plurale Versammlung. Viele unterschiedliche Interessen treffen aufeinander und finden sich oft im Dazwischen. Demokratie muss täglich neu verhandelt werden – aber immer unter einer Voraussetzung: Es geht um Alle, um jede*n Einzelne*n als Wesen der vielen Möglichkeiten!

Der rechte Populismus, der die Kultureinrichtungen als Akteur*innen dieser gesellschaftlichen Vision angreift, steht der Kunst der Vielen feindselig gegenüber. Rechte und nationalistische Gruppierungen und Parteien stören Veranstaltungen, wollen in Spielpläne eingreifen, polemisieren gegen die Freiheit der Kunst und arbeiten an einer Renationalisierung der Kultur. Ihr verächtlicher Umgang mit Menschen auf der Flucht, mit engagierten Kulturschaffenden, mit allen Andersdenkenden verrät, wie sie mit der Gesellschaft umzugehen gedenken, sobald sich die Machtverhältnisse zu ihren Gunsten verändern würden.

Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung sind Alltag. Die extreme Rechte ist ein Symptom davon. Dieses Bündnis will nicht nur Symptome bekämpfen, sondern in die Tiefe wirken. Wir setzen uns deswegen mit den eigenen Strukturen auseinander und stellen diese zur Verhandlung. Wir müssen die Kunst- und Kulturräume sowie unsere Gesellschaft öffnen, damit wir wirklich Viele werden!

Wir als Unterzeichnende der Hamburger Theater, Kunst- und Kultureinrichtungen und ihrer Interessensverbände begegnen diesen Versuchen mit einer klaren Haltung.

  • Die unterzeichnenden Kunst- und Kulturinstitutionen führen den offenen, aufklärenden, kritischen Dialog über Strategien, die die Gesellschaft der Vielen angreifen. Sie gestalten diesen Dialog mit Mitwirkenden und dem Publikum in der Überzeugung, dass die beteiligten Häuser den Auftrag haben, unsere Gesellschaft als eine demokratische fortzuentwickeln.
  • Wir, die Unterzeichnenden, bieten kein Podium für völkisch-nationalistische Propaganda.
  • Wir, die Unterzeichnenden, wehren die illegitimen Versuche der Rechtsnationalen ab, Kulturveranstaltungen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.
  • Wir, die Unterzeichnenden, verbinden uns solidarisch mit Menschen, die durch rechte Ideologien immer weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden

Mit gold-glänzendem Layout, glitzernder Kleidung und allem, was strahlt, wollen die Vielen den dumpfen Hass-Tönen und perfiden kulturellen Umdeutungen der Rechtsnationalen glänzende Happenings entgegensetzen. Das Bild der Rettungsdecke steht für uns hierbei sowohl als ein Zeichen der Hilfe für diejenigen, deren Leben durch Krieg bedroht ist und das nicht verhandelbare Recht auf Asyl, als auch für das Streben nach einem glänzenden Leben für Alle!

Weitere Informationen, die vollständige Erklärung und alle Unterzeichner finden Sie auf der Website des Vereins Die Vielen

Die Hamburger Vielen finden Sie auch auf Facebook und Instagram.

Aufruf zur Demonstration am 19. Mai

In vielen Städten, Regionen und Bundesländern setzen bereits an die 2500 unterzeichnende Kultur- und Kunstinstitutionen mit ihren zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern und Aktiven der Kulturlandschaft mit den ERKLÄRUNGEN DER VIELEN wirkungsvolle Signale für eine offene Gesellschaft.

Im Vorfeld der Europawahl rufen Die Vielen dazu auf, sich an den europaweiten Demonstrationen gegen Nationalismus am 19. Mai zu beteiligen. Die Vielen Hamburg werden mit einem eigenen Zug als Glänzender Block bei der Demonstration in Hamburg (Ein Europa für Alle – Deine Stimme gegen Nationalismus: Hamburg) dabei sein und laden alle, die die Kunstfreiheit verteidigen wollen, ein, sich daran zu beteiligen.

Treffpunkt ist am 19. Mai um 12.00 Uhr der Hamburger Rathausplatz. Facebook-Veranstaltung

Solidarität statt Privilegien. Es geht um Alle. Die Kunst bleibt frei!