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02.02.

Ute Frevert zur #MeToo-Debatte

Ute Frevert © Mike Wolff, Verlag Der Tagesspiegel
Ute Frevert © Mike Wolff, Verlag Der Tagesspiegel

Thema des Philosophischen Cafés »Beschämung und Demütigung. Über Macht und Ohnmacht«

Ute Frevert hat sich in der #MeToo-Debatte zu Wort gemeldet, denn, so schreibt sie in einem Essay in der »FAZ« vom 27. Januar 2018: »Es geht um Scham. Sie verschließt den Opfern den Mund und hindert sie daran, die Täter namhaft zu machen und vor Gericht zu bringen. Das mag auf den ersten Blick verwundern. Denn wofür sollte sich eine misshandelte, in ihrer Ehre und Selbstachtung gekränkte Frau schämen? Sollte sie nicht eher Abscheu, Wut und Zorn empfinden und dies auch zum Ausdruck bringen? Definiert man Scham als Antwort auf eigenes Fehlverhalten, dann fällt es in der Tat schwer, sich einen Reim auf die Scham der Opfer zu machen. Denn der Übergriff war schließlich von Dritten verursacht, sie selbst trugen daran keine Schuld.« In einem Interview mit Deutschlandfunk Kultur sagte sie: »Die Macht der Scham hat viel mit gesellschaftlicher Hierarchie zu tun.« Das ist das Thema des nächsten Philosophischen Cafés. Ausgangspunkt ist das jüngst im S. Fischer Verlag erschienene Buch von Ute Frevert »Die Politik der Demütigung: Schauplätze von Macht und Ohnmacht«.

Zur Vorbereitung haben wir Ausschnitte aus ihrem Essay »Die Scham ist Komplizin der Männer« aus der »FAZ« und aus dem Buch zusammengestellt. Das Rundfunkgespräch »Wie die Macht der Scham funktioniert« lässt sich in der Mediathek von Deutschlandfunk Kultur anhören.

Texte zur Vorbereitung (PDF)

Philosophisches Café mit Ute Frevert, Dienstag, 13.2.2018, 19.00 Uhr, Karten im Vorverkauf verfügbar. Weitere Informationen auf der Veranstaltungsseite.

23.01.

Laudatio auf Sasha Marianna Salzmann

von Christoph Schröder zum Mara-Cassens-Preis 2017

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
liebe Sasha Marianna Salzmann,

»Ich war noch nie irgendwo zuhause.« Diesen Satz sagte Sasha Marianna Salzmann zu mir, als ich sie im August des vergangenen Jahres in Berlin zu einem Interview traf. Es ist ein Satz, der die meisten von uns möglicherweise erschreckt. Wir, die wir in einem mehr oder weniger beruhigenden Gefühl leben, dass unser Zuhause uns so etwas wie Sicherheit und Geborgenheit geben kann, können uns nur schwer vorstellen, dass jemand in der völligen Abwesenheit dieses Gefühls lebt.

Es gibt sehr viele Wege, sich Sasha Marianna Salzmanns Debütroman zu nähern. Er lässt sich umkreisen, beschreiben in theoretischen Diskursen. Doch ich glaube, dass die Frage nach einem Zuhause und die Tatsache, dass das Zuhause in diesem Buch so auffällig abwesend ist, sich nicht nur im Inhalt niederschlägt, sondern auch in der Struktur des Romans abgebildet wird. Zunächst aber können wir danach fragen, und auch dazu eignet sich »Außer sich« ganz ausgezeichnet, welche Erwartungen wir an Literatur stellen und stellen dürfen und inwieweit die Literatur das Recht hat, sich diesen Erwartungen zu widersetzen, um dann auf ganz überraschende Weise andere Erwartungen zu erfüllen. Also: »Außer sich«, und das ist ein Einwand, den ich hin und wieder gehört habe, wenn ich anderen mit Begeisterung davon erzählt habe, ist ein Roman, in den die dringlichen und auch relevanten Diskurse der Gegenwart Eingang gefunden haben: Migration, nationale versus individuelle Positionierung, Zugehörigkeitsfragen, Genderfragen. Und noch dazu die jüngsten Ereignisse in der Türkei, die Demonstrationen im Gezi-Park, der gescheiterte Putschversuch. Den Einwand, dies sei ein Roman, der quasi kalkuliert an der Aktualität und ihren Modethemen entlang geschrieben worden sei, höre ich ausschließlich von Menschen, die das Buch nicht gelesen haben. Wer »Außer sich« wirklich gelesen hat, wird nicht auf die Idee kommen, einen derartig albernen Verdacht zu äußern ...

Lesen Sie die gesamte Laudatio auf Sasha Marianna Salzmann in der PDF

23.01.

Romanwerkstatt 2018 des Literaturforums im Brecht-Haus

Auch dieses Jahr startet das Literaturforum des Brecht-Hauses in Berlin eine Romanwerkstatt. An drei Wochenenden werden in einer Gruppe von fünf oder sechs Teilnehmer/innen die literarischen Arbeiten weiterentwickelt und mit lektorierender Absicht diskutiert.  Ein Schwerpunkt der Werkstattgespräche liegt auf dem Aufbau bzw. der Struktur der Projekte sowie auf Fragen und Strategien des Schreibens. Die Werkstatt richtet sich an deutschsprachige Autorinnen und Autoren, die schon erste Schritte im literarischen Leben unternommen haben (Publikation eines Buchs oder Theaterstücks/UA, Stipendium/Preis o. Ä.).

Geleitet wird die Werkstatt von Michael Wildenhain, Autor und Gastprofessor am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Zuletzt erschienen sind die Romane »Das Singen der Sirenen«, 2017 (Longlist des Deutschen Buchpreises), und »Das Lächeln der Alligatoren«, 2015 (Shortlist des Leipziger Buchpreises).

Bewerbungsschluss ist der 27. April. Weitere Informationen zur Bewerbung finden Sie unter www.lfbrecht.de