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19.01.

Jaroslav Rudiš erhält den Preis der Literaturhäuser 2018

Jaroslav Rudiš © Labyrint Verlag
Jaroslav Rudiš © Labyrint Verlag

Der am 8. Juni 1972 im nordböhmischen Turnov geborene Autor studierte Germanistik, Geschichte und Journalistik in Liberec, Zürich und Prag, bevor er mit einem journalistischen Stipendium nach Berlin an die Freie Universität kam, wo sein Erstlingsroman »Nebe pod Berlínem« (2002; dt. Der Himmel unter Berlin, 2004) entstand. 2006 veröffentlichte der Prager Labyrint Verlag seinen zweiten Roman »Grandhotel«, der mit Jaroslav Rudiš in einer Nebenrolle verfilmt auch auf der Berlinale gezeigt wurde. Ab da erschienen fast jährlich Romane, die Eva Profousová ins Deutsche übersetzt hat, sowie zahlreiche Theaterstücke, Kino- und Fernsehfilme, Hörspiele, Opernlibretti und Essays in überregionalen deutschsprachigen Zeitungen. Von seinem jüngsten Roman »Národní třída« (2014, dt. Nationalstrasse, Luchterhand Literaturverlag) entstanden Theaterfassungen in Bremen und Dresden. Zur Leipziger Buchmesse erscheint bei Edition Thanhäuser »Der Besuch von Herrn Horváth«, ein Band mit Kurzprosa. Der heute 45-jährige tschechische Schriftsteller hat die tschechische und deutschsprachige Literatur in den vergangenen Jahren nicht nur mit seiner Prosa bereichert, große Aufmerksamkeit erregte er vor allem durch Crossover-Arbeiten. So erschien gemeinsam mit dem Künstler Jaromír Švejdík alias Jaromír 99 – in Tschechien als Rocksänger gefeiert – die Graphic Novel »Alois Nebel« (auf Deutsch 2012 bei Voland & Quist). Die gleichnamige Filmversion wurde als Bester Animationsfilm mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet. Ein anderer Grenzgang führt ihn immer wieder zur Musik. 2013 gründete er mit Jaromír 99 die »Kafka Band«. In Zusammenarbeit mit fünf der bekanntesten Rockmusiker Tschechiens wurde die CD zu Franz Kafkas Romanfragment »Das Schloss« eingespielt.

Jaroslav Rudiš zeichnet in seinen Texten mit Ironie und feinem Gespür für die Alltagsängste der Menschen die Gesellschaft anhand von besonderen Typen, die häufig Opfer tragikomischer Ereignisse sind. Dabei begibt er sich gern in den Untergrund und an die Ränder von Orten, Zeiten und Leben, um einen umso schärferen Blick auf die Wirklichkeit zu werfen. So sind seine Bücher cool, witzig, kritisch, politisch, poetisch, widerständig, anti-bürgerlich, berührend und verführerisch – kurzum: literarischer Rock’n’ Roll. Jaroslav Rudiš schreibt auf Tschechisch und Deutsch. Er lebt als freier Autor in Berlin und in Lomnice nad Popelkou, nahe der tschechischen Stadt Jičín. 2014 wurde Rudiš als „wichtige tschechische Stimme im Konzert der europäischen Gegenwartsliteratur“ mit dem Usedomer Literaturpreis ausgezeichnet. 

Die Programmleiterinnen und Programmleiter der im Netzwerk verbundenen Literaturhäuser ehren Jaroslav Rudiš für sein vielfältiges literarisches Werk und als Autor, der in öffentlichen Auftritten, in Lesungen und Diskussionen, als Musiker und in Crossover-Projekten das Publikum zu begeistern versteht.

Der Preis wird am 15. März 2018, 19.30 Uhr bei einer Veranstaltung im Literaturhaus Leipzig verliehen. Er besteht aus einer Lesereise durch viele der im Netzwerk zusammengeschlossenen Literaturhäuser und ist mit € 15.000 dotiert.

19.01.

Verleihung des Lessing-Preises am 28. Januar

Juliane Rebentisch © Felicitas von Lutzau
Juliane Rebentisch © Felicitas von Lutzau

Der mit 10.000 Euro dotierte Lessing-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg ist einer der ältesten und renommiertesten deutschen Kulturpreise. 1929 zum ersten Mal anlässlich des 200. Geburtstages von Gotthold Ephraim Lessing verliehen, geht er alle vier Jahre an bedeutende publizierende Persönlichkeiten, u.a. Hans Henny Jahnn, Hannah Arendt, Jan Philipp Reemtsma und zuletzt an den Historiker Wolfgang Schivelbusch. Zusätzlich vergibt der Senat das mit 5.000 Euro dotierte Stipendium des Lessing-Preises an herausragende Nachwuchsautorinnen und -autoren, zuletzt an Finn-Ole Heinrich. Die Jury, diesmal zusammengesetzt aus Prof. Dr. Claudia Benthien (Universität Hamburg), Dr. Martin Doerry (Der Spiegel), Sandra Küpper (Thalia Theater), Prof. Dr. Rainer Moritz (Literaturhaus Hamburg) und Marie Schmidt (Die Zeit), entschied Ende November über die diesjährigen Preisträger. 

Die an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach lehrende Philosophin Prof. Dr. Juliane Rebentisch wird mit dem Lessing-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg ausgezeichnet. Juliane Rebentisch, Jahrgang 1970, studierte Philosophie und Germanistik an der Freien Universität Berlin und promovierte 2002 an der Universität Potsdam. 2010 habilitierte sie sich an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Ästhetik, Ethik und politische Philosophie. Sie ist Mitglied des Kollegiums am Frankfurter Institut für Sozialforschung sowie bis 2018 amtierende Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Ästhetik. Seit Oktober 2011 ist Juliane Rebentisch Professorin für Philosophie und Ästhetik an der Hochschule für Gestaltung Offenbach, seit 2014 Vizepräsidentin der Hochschule.

Das zum Lessing-Preis gehörende Stipendium erhält die in Hamburg lebende Schriftstellerin Nino Haratischwili. Haratischwili ist eine preisgekrönte Theaterautorin, -regisseurin und Autorin des Familienepos »Das achte Leben (Für Brilka)«, erschienen 2014 in der Frankfurter Verlagsanstalt. Der Roman wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt, vielfach ausgezeichnet und ist als Bühnenversion in Regie von Jette Steckel am Thalia Theater in Hamburg zu sehen. Außerdem verfasste Nino Haratischwili die Romane »Juja« (2010, Verbrecher Verlag) und »Mein sanfter Zwilling« (2011, Frankfurter Verlagsanstalt).

Bei der festlichen Preisverleihung wird u.a. die Künstlerin Anne Imhof – bekannt durch ihre Produktion »Faust« im Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig – auftreten. Die Laudatio auf Juliane Rebentisch hält der Publizist und Herausgeber der Zeitschrift »Merkur« Ekkehard Knörer, für Nino Haratischwili spricht Julia Lochte, die Chefdramaturgin des Thalia Theaters. Der Senator für Kultur und Medien Dr. Carsten Brosda überreicht die Preise. Der Eintritt zur Preisverleihung ist frei, es werden Zählkarten benötigt, die es kostenlos an der Tageskasse des Thalia Theaters gibt.

28. Januar 2018, 11.00 Uhr, Thalia Theater (Alstertor, 20095 Hamburg), Eintritt frei: Zählkarten an der Tageskasse des Thalia Theaters

17.01.

Eröffnung des Lesungsjahres

Sasha Marianna Salzmann
Sasha Marianna Salzmann

Traditionell wurde bei uns das neue Lesungsjahr mit der Verleihung des Mara-Cassens-Preises eingeläutet. Sasha Marianna Salzmann erhielt den mit 15.000 Euro dotieren Preis für ihren Debütroman »Außer sich«, 2017 bei Suhrkamp erschienen. Literaturhaus-Leiter Rainer Moritz, Kultursenator Carsten Brosda, Jurymitglieder Hans Happel und Laudator Christoph Schröder würdigen die Preisträgerin mit ihren Reden. Sasha Marianna Salzmann las eine Passage aus ihrem Buch. Ein großartiger Auftakt.

Wir gratulieren Sasha Marianna Salzmann und freuen uns auf ein erlesenes, spannendes 2018. Seien Sie herzlich willkommen!