„Krise bezeichnet, wenn man vom griechischen Ausdruck Krisis ausgeht, einen Umbruch, in dem es gefährliche, gar tödliche Entwicklungen geben kann – und Erneuerung ebenso. Ich setze auf Erneuerung. Deshalb rücke ich die Frage nach dem Gemeinwesen ins Zentrum.” Oskar Negt
Griechenland ist ihm ein Symbol. Wird Europa an seinem Geburtsort nach den Regeln der Betriebswirtschaft entpolitisiert? Die Krise lässt den Sozialphilosophen Oskar Negt nach dem Gesellschaftsentwurf fragen. Wie wollen wir leben? Und was heißt es, zusammen zu leben, zusammen zu arbeiten und die gemeinsamen Lebenswelten zu kultivieren? Die Klärung und Entscheidung dieser Fragen nennt man seit der antiken Polis „Politik”. Wo ist heute der Ort von Politik? In welcher Öffentlichkeit konstituiert sie sich? Kann es sein, dass ausgerechnet den politischen Repräsentanten das Politische im Wege steht? Aber Politik in der Demokratie kann man nicht einfach einfordern, „denn Demokratie ist die einzige staatlich verfasste Gesellschaftsordnung, die gelernt werden muss”, schreibt Negt. Wie lassen sich diese Lernprozesse organisieren?
Das Philosophische Café wird in den kommenden Monaten Fragen nach der Öffentlichkeit und ihrem Wandel nachgehen. Es kommen der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen, der dem „Entfesselten Skandal” auf der Spur ist, der Film- und Medientheoretiker Georg Seeßlen, der uns in pessimistischen Stunden schon als Zombies, also „Untote”, sieht und schließlich der famose Alexander Kluge, der immer wieder – auch gemeinsam mit Oskar Negt – der Öffentlichkeit und dem Eigensinn, den „Maßverhältnissen des Politischen” und den Geschichten vom „unterschätzten Menschen” nachgegangen ist. Oskar Negt blickt auf die Plätze, die in Kairo, Madrid, Tel Aviv oder New York besetzt wurden. Der neue Protest ist performativ. Er besteht nicht aus Statements und Forderungen. Er schafft Orte für Lernprozesse. „Die Erosion der offiziellen politischen Machtinstrumente nimmt den Tatsachen-Menschen, die unentwegt die Alternativlosigkeit ihres Wirklichkeitssinnes behaupten, alle Überzeugungskraft. Das eröffnet dem Möglichkeitssinn neue Perspektiven.”
Karten ab 13. Juli in der Buchhandlung Samtleben und allen bekannten Vorverkaufsstellen