dienstag | 21. september 2010 | 19.00 uhr | ausverkauft!
philosophisches café: otto a. böhmer
Thema: Schopenhauers Heiterkeit
Gast: Otto A. Böhmer
Reinhard Kahl moderiert
„Wir wollen immer der Heiterkeit, wann immer sie kommen will, Thür und Thor öffnen. Denn sie kommt nie zur unrechten Zeit.” Arthur Schopenhauer
Er war wohl ein eher verdrießlicher Mensch. Etwas misanthropisch. Er brach mit der theologischen Mitgift der Philosophie, dass die menschliche Welt auf Vernunftgründen beruhe. Der Kern war für ihn der Wille. Leben! Und alles andere, auch die Vernunft ummantele bloß diesen Kern. Aller Optimismus, vor allem jeder geschichtsphilosophische, war ihm verdächtig. Seinen Platz in der Welt fand er als Beobachter. Ein Vermögen ermöglichte ihm das Leben als Privatier. Arthur Schopenhauers Todestag jährt sich am 21. September zum 150. Mal. Der Schriftsteller Otto A. Böhmer hat das Buch „Schopenhauer – oder die Erfindung der Altersweisheit” (C.H. Beck) geschrieben. Darin porträtiert er dessen Leben und Denken und zeigt, wie beides zusammenhängt. Etwas altklug klingen bereits Schopenhauers frühe Texte. Mit zunehmendem Alter ging dann eine andere Sonne auf. Die Heiterkeit.
Schopenhauers Diagnose, dass der Mensch ein Tier ist, das zu allem fähig ist, und seine Destruktion aller jenseitigen und diesseitigen Erlösungshoffnungen als Illusionen sind ja nicht eigentlich erheiternd. Aber gegenüber der dunklen Herkunft der Menschen und ihren falschen Zukunftsversprechen fand er seine Heiterkeit in radikaler Gegenwart. Heiterkeit nicht als Prinzip Hoffnung, sondern als das Prinzip Jetzt. „Weil sie ihren Werth allein für die Gegenwart hat, so ist sie das höchste Gut für Wesen, deren Wirklichkeit die Form einer untheilbaren Gegenwart zwischen zwei unendlichen Zeiten hat.” Die Errungenschaft einer Philosophie, die nichts mehr versprechen will und nichts beweisen kann, die einzig genau hinschauen will, ist am Ende beachtlich. Heiterkeit verbessert das Leben des Einzelnen. Und der Gesellschaft ermöglicht allein eine wache Gegenwart Zukunft. „Alle arbeiten sie für die Zukunft, orakelt der vor 150 Jahren verstorbene Meister, dieser opfern sie das Daseyn und die Zukunft macht bankrott.” Heiterkeit verspricht keine Erlösung. Sie ist eher ein Effekt nach der Erlösung von der Erlösung. „Ist also Heiterkeit das Gut, welches alle anderen ersetzen, aber selbst durch kein anderes ersetzt werden kann.”
Karten ab 2. August in der Buchhandlung Samtleben und allen bekannten Vorverkaufsstellen
Mit freundlicher Unterstützung von „Der Spiegel“
Eintritt: 8,-/6,-/4,-
ausverkauft
Ort: Literaturhaus - Schwanenwik 38 - 22087 Hamburg