dienstag | 23. märz 2010 | 20.00 uhr
leidenschaften: 99 autorinnen
Verena Auffermann, Ursula März und Elke Schmitter stellen ihr Buch „Leidenschaften. 99 Autorinnen der Weltliteratur“ vor
Theresa Berlage liest ausgewählte Texte
„Kein Lesen ist der Mühe wert, wenn es nicht unterhält.”
Dem Geist dieses Zitats von William Somerset Maugham fühlen sich die vier Herausgeberinnen der Anthologie „Leidenschaften. 99 Autorinnen der Weltliteratur” (C. Bertelsmann) verbunden. Verena Auffermann, Gunhild Kübler, Ursula März und Elke Schmitter haben sich zusammengetan, um einen Kanon der weiblichen Weltliteratur zu erschaffen. Dies geschieht nicht etwa in einem theoretischen Ton; im Gegenteil lebt die Sammlung von der passionierten Erzählweise der Autorinnen. Jedes Porträt ist mit Anekdoten gewürzt, mit einer prägnanten Biografie versehen und enthält Leseempfehlungen. Wer sich durch dieses Lexikon schreibender Frauen schmökert, erlebt eine Reise durch Zeit und Raum. Man findet sich im schauerlichen England bei Mary Shelley wieder, begegnet Astrid Lindgren innerhalb und außerhalb von Bullerbü, trinkt literweise Kaffee und Wein mit Else Lasker-Schüler und erhält Einblicke in das Universum der J. K. Rowling’schen Fantasie. Ebenso gibt es Einträge von weniger bekannten Autorinnen, die einem feurig ans Herz gelegt werden, und man macht sich im Geiste eine Notiz: Unbedingt lesen!
Gibt es in diesem rein-weiblichen Kanon eigentlich eine Richtschnur, nach der die höchst verschiedenen Autorinnen ausgesucht wurden? Nun, was diese Frauen auszeichnet, ist zunächst nur das Offensichtliche: „ihre Berufung und ihr Geschlecht”. Und noch ein Drittes, heißt es im Vorwort der Anthologie: sie hätten fasziniert. Und dieses Pathos spürt man tatsächlich. Besonders wenn die Beziehung zwischen dem Schriftstellertum und dem Frau-Sein in Beziehung gesetzt wird. So berichtet Elke Schmitter von Anna Achmatowa, einer „entschlossenen Bohemienne” und gleichzeitig „unglücklichen Ehefrau”, die „phasenweise” mit der „ersten und der aktuellen Gattin ihres geschiedenen dritten Mannes” zusammen lebte. Oder so schreibt Ursula März über Simone de Beauvoir, die „in die Literaturgeschichte als Ikone freien weiblichen Lebens und Denkens einging”. „Leidenschaften” sei ein „Wachsfigurenkabinett der Literatur”, sagt uns Elke Schmitter. Wenn das so gedacht war, ist etwas schief gelaufen. Die 99 Damen wirken einfach zu lebendig.
Karten ab 20. Februar in der Buchhandlung Samtleben und allen bekannten Vorverkaufsstellen
Eintritt: 8,-/6,-/4,-
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Ort: Literaturhaus - Schwanenwik 38 - 22087 Hamburg