liest aus „Leben und Schreiben. Tagebücher 1974 – 1978“
Rainer Moritz moderiert
„Martin Walsers Tagebücher sind Skizzenbücher eines Sprachartisten und Sprachsüchtigen. Alles im Leben gerät ihm zu glänzenden Sätzen. Ein literarisches Ereignis.” ZDF Aspekte
Mitte der Siebzigerjahre, eine entscheidende Zeit im Leben des Schriftstellers Martin Walser. 1976 erscheint sein Roman „Jenseits der Liebe” … und wird von Marcel Reich-Ranicki mit einem der verheerendsten Verrisse der deutschen Literaturgeschichte bedacht, einem „Attentat”. Zwei Jahre darauf erscheint die Novelle „Ein fliehendes Pferd” und ruft beim selben Kritiker Begeisterungsstürme hervor. Auch davon berichtet der dritte Band von Walsers Tagebüchern „Leben und Schreiben” (Rowohlt). Von den tiefgreifenden Verletzungen, die vernichtende Kritiken auszulösen vermögen, vom Kampf gegen die Ungerechtigkeit, von den Debatten mit dem Verleger Siegfried Unseld und nicht zuletzt von der Abscheu, die Walser gegenüber der Willkür des Literaturbetriebs empfindet.
Martin Walsers Tagebücher verarbeiten auf grandiose Weise die Eindrücke, die man Tag für Tag macht. Sei es im Privaten mit den heranwachsenden Töchtern, sei es auf Reisen in die USA und nach Japan. Momente des Schmerzes wechseln mit Glücksempfindungen, mit Gedankensplittern, die Walser gelegentlich seinem Alter Ego Meßmer auslieh. Es geht um das Unterwegssein auf Lesungen, um das Leiden in Hotelzimmern; es geht um politische Diskussionen, um das Klima im Deutschen Herbst 1977, um Autorenkollegen, deren Werke nur um „Individualkrisen” kreisen, um das demütigende Besetztzeichen beim Telefonieren, um die Werkstattarbeit am Chauffeursroman „Seelenarbeit” und um die jähe Anteilannahme am Schicksal von Bankinstituten: „Mir tut die Commerzbank leid, bei der ich mein Konto gekündigt habe.” (15.12.1977)
Leben und Schreiben – selten ist dieser Zusammenhang so intensiv beschrieben, selten so klug bedacht worden.
Karten ab 20. Februar in der Buchhandlung Samtleben und allen bekannten Vorverkaufsstellen
Eine Veranstaltung von NDR Kultur und Literaturhaus
Di 16.03. 20.00 Uhr, 8,-/6,-/4,-
ausverkauft
Literaturhaus - Schwanenwik 38 - 22087 Hamburg