04.02.2012
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dienstag | 02. märz 2010 | 20.00 uhr

ein alice-munro-abend

Gunhild Kübler führt durch Leben und Werk Alice Munros
Julika Jenkins liest ausgewählte Passagen aus „Tanz der seligen Geister“

Es sind der Mief der Kleinstadt, die Engstirnigkeit, die Rollenklischees, gegen die die Protagonistinnen in Alice Munros Erzählungen „Tanz der seligen Geister” (Dörlemann Verlag) anrennen. In „Postkarte” hat sich die Verkäuferin Helen in ihrer Beziehung zum älteren Adligen Clare komfortabel eingerichtet, bis dieser sich standesgemäß verheiratet und sie keines Blickes mehr würdigt. Doch nicht die Scham ist es, die Helen vor dem Herrenhaus toben lässt: „Ich werde nie verstehen, warum ich genau in dem Augenblick, als ich erkannte, dass man von Clare McQuarrie keine Erklärung verlangen kann, zum ersten Mal das Verlangen verspüre, die Hände auszustrecken und ihn zu berühren.” Hoffnung und Resignation sind der Coming-of-Age-Geschichte „Jungen und Mädchen” eingeschrieben. Die Tochter kämpft mit Zähnen und Klauen um die Anerkennung des Vaters, um ihren Platz in der Familie, der schließlich doch nur in der Küche bei den dampfenden Einweckgläsern zu sein scheint und nicht etwa draußen, bei den wilden und geheimnisvollen Silberfüchsen: „Resigniert, sogar gut gelaunt sprach er die Worte aus, die mich erlösten und zugleich endgültig verdammten. ,Sie ist bloß ein Mädchen’, sagte er. Ich protestierte nicht dagegen, nicht mal im Herzen. Vielleicht stimmte es ja.”
 
In Alice Munros Erzählungen kommt die Erkenntnis auf leisen Sohlen. Den Argwohn des Mittelmaßes gegenüber der Andersartigkeit, den Moment, in dem ihre Heldinnen ihr Schicksal annehmen, davon erzählt die Kanadierin ohne viel Aufhebens, schlicht und ohne Drama. Doch man bleibt umso erschütterter zurück, weil das Nichterzählte das Unglaubliche greifbar macht. Alice Munro wurde 2009 mit dem Man-Booker-Prize geehrt. Dem feinen Zürcher Dörlemann Verlag, der mit seinen schön gestalteten Büchern das Besondere entdeckt, ist es zu verdanken, dass nun endlich auch Munros Debüt von 1968 in der Übersetzung von Heidi Zerning zugänglich ist. Die Literaturkritikerin Gunhild Kübler führt durch Leben und Werk von Alice Munro, Julika Jenkins liest ausgewählte Passagen. Die Autorin selbst wird jedoch leider nicht anwesend sein.

Karten ab 20. Februar in der Buchhandlung Samtleben und allen bekannten Vorverkaufsstellen


Eintritt: 8,-/6,-/4,-
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Ort: Literaturhaus - Schwanenwik 38 - 22087 Hamburg

 
  • G. Kübler (Foto: NZZ) | A. Munro (Foto: D. Shapton) | J. Jenkins (Foto: C. Fenzl) G. Kübler (Foto: NZZ) | A. Munro (Foto: D. Shapton) | J. Jenkins (Foto: C. Fenzl)
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