17.05.2012
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dienstag | 30. juni 2009 | 19.00 uhr

philosophisches café

Thema: Lob der Nicht-Disziplin
Gast: Kathrin Passig
Reinhard Kahl moderiert

„Am Anfang schuf Gott erst mal gar nichts. ,Dafür ist auch morgen noch Zeit’, sprach er und strich sich zufrieden über den Bart.”

Kathrin Passig ist eine produktive und subversive Autorin und außerdem Geschäftsführerin der „Zentralen Intelligenzagentur“ in Berlin. Sie liebt den Widerspruch, auch den gegen sich selbst. Sie will nicht ein für alle Mal so sein, wie sie irgendwann glaubte sein zu sollen. Verhasst ist ihr Disziplin. Auch Selbstdisziplin. Aber, wie gesagt, sie ist hoch produktiv: Es reicht vom Betreiben des Weblogs „Riesenmaschine”, wofür sie den Adolf-Grimme-Preis erhielt, bis zum Schreiben von Kolumnen und Büchern. Zwischendurch hat sie mal eben in Klagenfurt den Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen. Oder hat sie ihn sich mit einer brillanten Camouflage erschlichen? Aber was wäre denn die größere Kunst, wenn Kunst Verwandlung bedeutet? Das ist die eine Frage. Die andere: Wie bekommt man ohne Disziplin und sogar ohne Selbstdisziplin die Dinge trotzdem auf die Reihe – oder vielleicht gerade deswegen? Und was ist daran eigentlich philosophisch? Wenn man unter Philosophie nicht so sehr die großen Vorworte und ehernen Substantive versteht, sondern vielmehr den Notenschlüssel vor der Lebenspartitur, philosophisch ausgedrückt, das Performative oder die Grammatik des Alltags, dann kommen auch die alten Phil & Sophie wieder auf Trab. Oder: Was für ein Betriebssystem hat eine Kathrin Passig eigentlich geladen? „Am vierten Tag dachte Gott ernsthaft darüber nach, jemand anderen die ganze, mühsame Schöpfungsarbeit machen zu lassen. Aber es war ja noch niemand da.“
 
In ihrem neuen Buch, „Dinge geregelt kriegen - ohne einen Funken von Selbstdisziplin” (Rowohlt) ist sie zusammen mit Sascha Lobo, der mentalen Volkskrankheit „Prokrastination” auf der Spur. Wörtlich übersetzt: „Für morgen lassen.” „Lobo” ist die Abkürzung für Lifestyle Of Bad Organization. „An diesem Buch ist alles hinreißend, auch die Fußnote auf Seite 133 ...” Ulrich Stock, DIE ZEIT. „Am Sonntag um fünf vor zwölf schließlich schluderte Gott hastig irgendwas hin: Wasser, Erde, Tag, Nacht, Tiere, Zeugs. Dann betrachtete er sein Werk und sah, dass es so lala war.”

Karten gibt es ab 20. des Vormonates an allen bekannten Vorverkaufsstellen und in der Buchhandlung Samtleben im Literaturhaus.


Eintritt: 8,-/6,-/4,-
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Ort: Literaturhaus - Schwanenwik 38 - 22087 Hamburg

 
  • Foto: Jan Bölsche Foto: Jan Bölsche
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