10.03.2010
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Das Literaturhaus im März 2010

Wenn es draußen auch noch so unwirtlich ist, dann lassen Sie sich doch einfach vom unserem März-Programm ins Literaturhaus locken! Im Monat der Leipziger Buchmesse erwarten Sie im Literaturhaus einige der aufregendsten Autorinnen und Autoren Europas.

Apropos Aufregung: Catherine Millets freizügige Bekenntnisse “La vie sexuelle de Catherine M.” erregten vor mittlerweile neun Jahren die Gemüter. Derart offen und schonungslos hatte bis dahin kaum eine Autorin über ihr Intimleben berichtet. “Eifersucht” (Hanser Verlag) heißt nun das neue Buch der skandalumwitterten Französin, das sie am 9. März im Literaturhaus vorstellen wird. An ihrer Seite: Die Schauspielerin Anne Weber, die den deutschen Text liest, sowie die Literaturkritikerin Ina Hartwig, die mit Mme Millet über deren Leiden- und Liebesgeschichte sprechen wird. Einen Abend später, am 10. März, bekommen wir Besuch von einem der wichtigsten Autoren Spaniens: Javier Marías hat nach acht Jahren seine Romantrilogie “Dein Gesicht morgen” (Klett-Cotta) vollendet. Im Literaturhaus stellt er im Gespräch mit Sigrid Löffler den letzten Teil, den Roman “Gift und Schatten und Abschied” vor. Heiko De Groot liest den deutschen Text.

Marina Lewycka wurde 2005 mit ihrem Roman “Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch” weltberühmt. Nun hat die ukrainischstämmige Britin nach “Caravan” mit “Das Leben kleben” (dtv) bereits ihren dritten Roman vorgelegt, der auf humorvoll-hintersinnige Weise dem Klebstoff für auseinandergebrochene Lebensläufe nachspürt. Marina Lewycka liest am 24. März aus ihrem Roman. Die Literaturkritikerin Tanya Lieske moderiert, die Schauspielerin Stephanie Schmid liest den deutschen Text.

Von Martin Walser, dem “Sprachartisten und Sprachsüchtigen” (ZDF Aspekte) ist im Rowohlt Verlag der dritte Band seiner Tagebücher erschienen. “Leben und Schreiben” behandelt die wichtigen Jahre zwischen 1974 und 1978, in denen Walser u. a. mit den Ungerechtigkeiten des Literaturbetriebs konfrontiert wird. Am 16. März liest der Autor aus dem Band und spricht mit Rainer Moritz über das Leben und das Schreiben. Tagebuch hat auch der Schriftsteller Clemens Meyer geführt. Für das Projekt “Tagewerk” der Guntram und Irene Rinke Stiftung hat Meyer sein persönliches Jahr 2009 protokolliert. Entstanden ist ein aufwühlendes Zeugnis, das den Leser mit brachialer Sprachgewalt in die Lebenswirklichkeit des Autors katapultiert. Clemens Meyer liest am 31. März aus “Gewalten. Ein Tagebuch”. Der Literaturkritiker Wend Kässens moderiert.

Der 2. März gehört der kanadischen Autorin Alice Munro. Im Schweizer Dörlemann Verlag ist soeben – erstmals auf Deutsch – das literarische Debüt Munros erschienen, die Erzählungen “Tanz der seligen Geister” von 1968. Bereits in dieser frühen Prosa entpuppt sich die Könnerschaft der Autorin: Subtil und hintergründig analysiert sie das Scheitern ihrer Heldinnen an der Welt, das jedoch niemals zur Weltverzweiflung wird. Die Literaturwissenschaftlerin Gunhild Kübler führt durch Leben und Werk Alice Munros, die Schauspielerin Julika Jenkins liest ausgewählte Texte. Alice Munro selbst jedoch ist leider nicht mit von der Partie. Gundhild Kübler ist essentieller Teil eines weiteren Abends im Literaturhaus: Gemeinsam mit den Kolleginnen Verena Auffermann, Ursula März und Elke Schmitter hat sie ein wunderbares Porträt einer Anzahl schreibender Frauen – von Anna Achmatowa über Toni Morrison und J.K Rowling bis Marina Zwetajewa – herausgegeben. “Leidenschaften – 99 Autorinnen der Weltliteratur” (C. Bertelsmann ist ein höchst lebendiger Einblick in weibliches Schreiben. Die Autorinnen Verena Auffermann, Ursula März und Elke Schmitter stellen das beeindruckende Buch am 23. März vor. Katja Danowski vom Deutschen Schauspielhaus liest ausgewählte Texte.

An der Hamburgischen Staatsoper ist am 7. März die Uraufführung der Oper “Le Bal” des argentinischen Komponisten Oscar Strasnoy zu erleben, der die Novelle “Der Ball” von Irène Némirovsky zugrunde legt. Im Literaturhaus findet eine gute Woche später, am 15. März, ein Irène-Némirovsky-Abend statt, an dem die umfängliche Biografie der jüdischen Autorin vorgestellt wird. Zu Gast ist Olivier Philipponnat, einer der Biografen, sowie Denise Epstein, die Tochter Némirovskys. Durch das Gespräch führt der in Paris lehrende Literaturwissenschaftler Jürgen Ritte. Die deutschen Texte liest Victoria Trauttmannsdorff vom Thalia Theater.

Zum zweiten Mal lädt der Literaturkritiker Andreas Isenschmid am 3. März zur “Literatursoiree”, um die Grundfragen der Literatur in ein neues Licht zu rücken. Sein Gast ist diesmal der Schriftsteller Ingo Schulze, einer der wichtigsten literarischen Zeugen der Wende von 1989, der zuletzt im Berlin Verlag den Roman “Adam und Evelyn” und den Essayband “Was wollen wir” veröffentlicht hat. Im März feiern wir außerdem ein besonderes Jubiläum: Am 30. März findet das Philosophische Café zum 100. Mal statt! An diesem Abend wird der Gastgeber zum Gast: Reinhard Kahl, der 99 Mal die interessantesten Denker aus Nah und Fern ins Philosophische Café eingeladen hat, wird von Elisabeth von Thadden von der ZEIT und vom Hirnforscher Gerald Hüther in ein Gespräch über “Begeisterung, Fehler machen und Denken” verwickelt.

Jedes Frühjahr wächst und gedeiht der Bücher-Neuerscheinungen-Dschungel auf das Prächtigste: Das Gemischte Doppel, Annemarie Stoltenberg und Rainer Moritz, schärfen bereits ihre Buschmesser, um am 28. März eine Schneise durch das Dickicht zu schlagen und einige der lohnenswertesten Frühjahrsbücher vorzustellen.

Auch für die junge Leser-Generation gibt es im und um das Literaturhaus im März viel zu entdecken: Bei “Spaß mit Büchern” geht es 3. März um die “Odyssee”. Rolf-Bernhard Essig hat Homers berühmtes Epos kindgerecht aufpoliert und wird die spannendsten Geschichten zum Besten geben. Die “Gedankenflieger” philosophieren am 25. März im Café SternChance gemeinsam mit der Kinderphilosophin Kristina Calvert und dem Qi-Gong-Lehrer Christoph Röthel darüber, ab wann mal alt ist und wie sich das eigentlich anfühlt.

Eintrittskarten für unsere März-Veranstaltungen gibt es ab 20. Februar in der Buchhandlung Samtleben (Tel. 040-220 51 45), an allen bekannten Vorverkaufsstellen und für Mitglieder des Literaturhaus e. V. unter Tel. 040-22 70 20 14.

Einen literarischen März, in dem die Gedanken und hoffentlich auch wieder die Blumen sprießen wünscht Ihnen

Ihr Literaturhaus-Team
 
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